Be-Achtung

Als Papst Johannes XXIII noch Bischof von Venedig war und noch nur Angelo Giuseppe Roncalli hieß, wurde bei ihm der Fall eines Pfarrers bekannt, der ein sehr liederliches Leben führte. Er ließ sich zu diesem Priester fahren; der war aber nicht im Pfarrhaus, sondern trieb sich in einer Kneipe herum. Während der Bischof auf ihn wartete, suchte sein Fahrer den Pastor auf und brachte ihn zurück ins Pfarrhaus. Dort habe der Bischof den Priester angeschaut und gesagt: „Mein Sohn, ich muss bei dir beichten“.


Nun wissen wir freilich nicht, was der spätere Papst bei diesem verkommenen Priester gebeichtet hat; aber es geht um die Haltung, mit der Bischof Roncalli ihm begegnet ist. Er hat ihn eben nicht einfach nur den Kopf gewaschen und Vorwürfe gemacht. Er hat ihn nicht als armen Sünder, sondern als Mitbruder behandelt. Damit hat er ihn ernst genommen und ihn an seiner priesterlichen Würde angesprochen. Ich muss bei dir beichten – an mir sollst du dein priesterliches Amt vollziehen. Deine priesterliche Aufgabe ist es, Menschen die Vergebung Gottes zu zusagen. Du hast als Priester diese wunderbare Gabe, also setze sie auch um.
Und noch was: Roncalli öffnet sich. Er beichtet. Er erschließt damit sein Innerstes, seine falschen Gedanken, seine sprachlichen Entgleisungen, seine Lieblosigkeiten im Umgang mit anderen Menschen. Er zeigt somit seine eigene Verletzlichkeit und Schwäche.
Ich weiß nicht, was nach dieser Anekdote aus dem Priester geworden ist. Aber ich kann mir vorstellen, dass es eine Sternstunde für ihn gewesen ist, eine Zeitenwende in seinem Leben. Und so eine Zeitenwende hörten wir auch im Evangelium (Lk 1, 26-38): in Marias Leben tritt ein Engel. Er trat bei ihr ein, heißt es. Er unterbricht damit ihren Alltag, ihren geplanten Tagesablauf, wirft bei ihr alles übereinander. Maria erschrickt, denn die Erscheinung eines Engels ist nicht niedlich. Vielmehr bricht da eine höhere Macht in ihr Leben ein, eine Macht, die sie nicht kontrollieren kann.


Aber der Himmel öffnet sich ihr mit einer Gabe, die zugleich Aufgabe ist. Das Leben eines Kindes wird ihr anvertraut – doch hat sie dieses Kind nicht einfach nur für sich. Sondern das Kind wird zur Gabe für die Welt. Sie muss ihren Sohn der Menschheit zurückgeben.
Was der Engel Maria verkündet hat ist mehr als nur die Nachricht, dass sie nun Mutter wird. Was in der eingangs erzählten Anekdote von Bischof Roncalli gesagt worden ist, ist mehr als bloße Menschenfreundlichkeit. Es geht um die Achtung eines Menschen. Es geht um die Beachtung seiner Talente, seiner Begabungen. Deine Gabe soll zur Aufgabe für die Welt werden.

 

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