Die Welt verändern


Vor etwa 15 Jahren sonntagsmorgens im Pfarrhaus. Nach der hl. Messe war ich am Kochen und hörte im Radio eine interessante Sendung. Es wurde ein Buch über den Klimawandel vorgestellt, und der Autor redete über die menschlichen Ursachen und die dramatischen Auswirkungen. Durch den vermehrten CO2-Ausstoss wird der Treibhauseffekt der Erde zunehmen; in der Folge schmelzen die Polkappen und somit ändert sich über Jahren hin das Wetter. Unwetter, Stürme, Überschwemmungen nehmen zu, andernorts Dürreperioden und Waldbrände. Gletscher verschwinden, Inseln werden überschwemmt, Wüsten wachsen. Somit werden immer mehr Anbauflächen vernichtet, Hungerkatastrophen sind vorprogrammiert. Und das alles aus menschlicher Schuld.
Von all dem war ich sehr betroffen. Dann rief jemand beim Sender an und fragte mit tränenerstickten Stimme: "Besteht noch Hoffnung auf (schluchz)...Weiße Weihnachten?"
......
Der Schrei, der anschließend durch das Pfarrhaus gellte, hatte nichts Menschliches mehr an sich. Ich war einfach nur fassungslos. Angesichts von Leid und Elend fragte doch tatsächlich jemand danach, wie sein sentimentales Festgefühl am Geburtsfest unseres Gottes gerettet werden kann.
"Heute schon die Welt verändert?" so fragt uns das diesjährige Plakat von Misereor, der kirchlichen Aktion gegen Hunger und Elend in der Welt.
Die Welt zum Besseren hin ändern tun wir, wenn wir das Wort Jesu ernst nehmen. Die erste Aufforderung, die Jesus nach dem Markusevangelium an uns richtet (vgl. Mk 1, 15), heißt:
"Kehrt um!". Das altgriechische Wort für "Umkehr" ist "Metanoia" und bedeutet so viel wie "Umdenken". Ich habe also als Christ meinen Denkschalter umzulegen: weg von einer gefühlsduseligen Schwärmerei zu einem verantwortlichen Denken. Weg von einem "Ich rette mich zuerst" oder "Mein Volk zuerst" hin zu einem "Zuerst die Welt retten".
Und wenn ich mein Denken umgestellt habe, dann mag ich mein Leben neu gestalten, verantwortungsvoll mit den Gaben der Schöpfung umgehen und denen Gutes tun, die mich brauchen.
Freilich muss ich auch auf mich und auf meine Angehörigen schauen. Ich muss mich auch um mich selbst kümmern.
Aber nie darf ich dabei die Menschen (und die Tiere!) außer Acht lassen, die mit mir dieses Leben teilen.
Es heißt "Vater Unser" und nicht "Vater meiner".

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