Kommunionjubiläum


Können Sie sich noch an Ihren Tag der Erstkommunion erinnern?
Ich meine nicht, was die Mutter gesagt hat, was der Pfarrer Ihnen gepredigt hat, oder wer alles daran teilgenommen hat. Sondern ich meine, welches Gefühl hattten Sie damals? Können sie sich noch daran entsinnen, was in ihrem Herzen los war?
Es mag bei den Einen so eine furchtsame Freude gewesen sein: Freude, weil man besonders im Mittelpunkt steht und Geschenke bekommt, wenn es auch zu manchen Zeiten kaum was gab. Furchtsam, weil du Angst hattest, einen Fehler zu machen.
Und doch mag bei Vielen der Stolz vorwiegend gewesen sein. Du bist Wer an diesem Tag. Gerade als Kind, der du immer ein bißchen in der Erwachsenenwelt untergehst, bist du an diesem Tag mal ein Großer.
Einmal auf dem Podest stehen.


So ein ähnliches Gefühl hast Du an besondern Tagen: am Tag deiner Hochzeit, ich hatte es am Tag meiner Primiz, Ordensleute haben es am Tag Ihrer Profeß, an einem runden Geburtstag, am Tag der Beförderung im Beruf, bei einem gelungenen Auftritt an Karneval oder bei einem sportlichen Sieg. Du fühlst dich dann immer großartig. Einmal ein Sieger, einmal ein König.


Gut – alles hat seine Grenzen. Das wußten schon die alten Römer. Wenn ein Feldherr nach seinem Sieg über die Feinde triumphal mit dem Pferdewagen in die Hauptstadt einzog, stand stets ein Sklave hinter seinem Rücken, hielt einen Lorbeerzweig über seinem Kopf und sagte von Zeit zu Zeit – Bedenke, dass du ein Sterblicher bist. ("Memento mori"). Im Moment des Triumphes, in der Stunde des Stolzes über den Sieg, mahnt da einer, dass man nicht überheblich wird, dasss man nur ein sterblicher Mensch ist, dass man sich dessen bewusst ist, dass das alles mal ein Ende haben wird – und das manchmal schneller, als einem lieb ist.


Und bei manchen wünscht man sich heute noch so einen Mahner – bedenke, dass du nur ein Mensch bist.
Aber eigentlich steht uns Christen solch ein Mahner schon zur Seite. Es ist Christus Jesus selbst, der wie ein Sklave hinter uns steht und eben beides tut. Einerseits ermahnt er uns immer wieder zur Selbstbescheidung, zur Bescheidenheit: Du bist Mensch und du bleibst Mensch. Andererseits aber ist es derjenige, der zu uns sagt: Friede sei mit dir. Du bist kostbar in meinen Augen; du bist wer. Er hält den Lorbeerkranz über jeden von uns. Die Krone, die uns bedeuten mag: wir sind Wer in den Augen Gottes. Wir mögen noch so sündig sein, noch so sehr seine unwürdigen Diener – wir sind immer auch seine gekrönten Sieger.


Wir sind Wer – und das nicht nur am Tag der Erstkommunion.

 

Ein befreundeter Pastor

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