Alles auf Neustart

 

Es ist ja possierlich, einem kleinen Kind zu zu sehen, wenn es seine ersten Schritte macht.

 

Unsicher hebt es sich aus dem Sitz, watschelt mit seinen wackligen Beinchen ein par Meter und plumbst weich auf seinen Po. Es macht dann meist die Augen groß, brummelt etwas vor sich her und beginnt von neuem. Und jedesmal, wenn ihm ein par Schritte mehr gelingen als zuvor, kreischt es vor Triumphgefühl.
Und später, wenn das Kind größer ist, und bekommt eine Holzeisenbahn geschenkt, setzt es den Zug auf die Gleisen, bewegt diesen anfangs ziemlich schroff, sodass er aus den Gleisen gerät. Dann seufzt das Kind, hebt den Zug wieder auf und setzt ihn wieder sacht auf die Gleisen. Und jetzt fährt es ihn ein bisschen vorsichtiger. Immer wieder beginnt ein Kind von vorne: wenn es sich selbst bewegt oder etwas bewegen will. Normalerweise würde es nie ins Grübeln kommen:


"Das schaff ich eh nicht, alles umsonst, am besten höre ich auf. "
Weder sind die Gleise zu eng, noch die Beine zu schwach. Ein kleines Kind wagt es noch, über sich hinaus zu wachsen.
Für uns Erwachsene besteht die Gefahr, dass wir unser inneres Wachstum stillstehen lassen. Körperlich mögen wir aus-gewachsen sein; sind wir es aber auch von all unseren Fähigkeiten her? Und wie ist es mit unserem Glauben?
Lassen wir dieses Talent in uns verkümmern? Sind wir manchmal da wie ein trotziges Kind, das nach den ersten Lernerfahrungen sich sagt: "Nu is aber genuch!" ?


Ich verstehe ja, dass Viele in ihrem Glaubensleben von schlechten Erfahrungen frustriert worden sind; denen die Lust an der Sache vergällt worden ist ( von wem auch immer). Aber dann frage ich: was ist euch der Glaube wert? Wollt ihr diese Pflanze in euch vertrocknen lassen - oder gebt ihr ihr noch eine Chance?


Wenn mir mein Glaube etwas wert ist, dann werde ich mich auch für ihn einsetzen. Dann gebe ich meinem Glauben "neue Nahrung": ich lese und suche glaub-würdige Menschen auf. Dann versuche ich, meine Erfahrungen von Welt in einem neuen Zusammenhang zu sehen. Dann erkenne ich die Mitmenschen, die mit mir dieses Leben teilen, in einem anderen Licht. Dann sehe ich die Natur nicht einfach nur als gegeben; sondern sie ist mir Schöpfung, ein Geschenk Gottes an den Menschen. Und mein Denken wird Gebet.
Wenn ich mich darauf einlasse, dann wächst mein Glaube neu: dann lernt das Kind in mir wieder zu gehen.

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