Glaubensimpulse

Die Verbindung zu Gott

 

Für mich ist der Heilige Geist die "Verbindung" zu Gott.

So zu sagen kann man das vergleichen mit einer Funkverbindung, wie z. B. eine Funk-Internet-Verbindung.

Erstmal musst du dich dazu entschließen, so eine Funk-Verbindung zu Gott aufzubauen. Diese Entscheidung ist die Taufe.

Um eine Verbindung zu Gott zu machen benötigt man natürlich die Hardware. Die Hardware ist für mich die Kirche. Sie stellt die nötige Gerätschaft da. In der Computer-Branche nennt man das den WLAN-Empfänger. Damit aber auch so eine Verbindung hergestellt werden kann, benötigt man die Software also das Programm. Die Software ist somit das Gebet. Jetzt hast du also schon mal die Geräte für die Verbindung, und ein Programm um die Verbindung her zu stellen.

Weil du aber die Verbindung zu Gott sicher machen musst, damit kein Fremder in deiner Funk-Verbindung mit rein gelangt, brauchst du auf jeden Fall noch ein Passwort. Das Passwort heißt "Glaube", und ist das Wichtigste Teil an deiner ganzen Verbindung.

Solltest du einmal Probleme mit deiner WLAN-Verbindung haben, hast du zwei Möglichkeiten:

Entweder du siehst im Handbuch nach, ... das ist die Bibel.

Oder du informierst dich bei einem Techniker. Das ist in diesem Fall der Pfarrer, der Kaplan usw.

Wichtig ist auch noch, dass du immer die aktuellen Updates installierst. Das Update nennt man im Christentum "Firmung". Dort werden dir alle wichtigen Punkte einer Funk-Verbindung noch-mals erklärt und diverse Verbesserungsmöglichkeiten, deine Verbindung stärkerer, sicherer und schneller zu machen, installiert.

Somit hat man die perfekte Verbindung zum W-LAN-Sender und so ins Internet. Und der Sender, das ist Gott.

Dort kann jeder drauf zugreifen, wenn er all diese genannten Kriterien erfüllt. Also den Ent-schluss, eine Verbindung auf zu bauen (bei der Taufe), die Hardware hat (den WLAN-Empfänger, der DU selbst bist), die Software hat (das Gebet), ein Passwort vergibt (den Glauben), auf jeden Fall ein Handbuch und einen Techniker als Ansprechpartner hat (also die Bibel und den Pfarrer/Kaplan) und das aktuelle Update (bei der Firmung) einspielt. Der Heilige Geist ist somit die gesamte Funkverbindung.

 

Aus dem Familiengottesdienst vom 19.05.2018

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Ps. 85, 8-10

Lass uns schauen, Herr, deine Huld
und schenke uns dein Heil!
Ich will hören, was Gott redet:
Frieden verkündet der Herr seinem
Volk und seinen Frommen,
sie sollen sich nicht zur Torheit wenden.
Fürwahr, sein Heil ist nahe denen, die ihn fürchten,
seine Herrlichkeit wohne in unserem Land.

 

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Alles auf Neustart

 

Es ist ja possierlich, einem kleinen Kind zu zu sehen, wenn es seine ersten Schritte macht.

 

Unsicher hebt es sich aus dem Sitz, watschelt mit seinen wackligen Beinchen ein par Meter und plumbst weich auf seinen Po. Es macht dann meist die Augen groß, brummelt etwas vor sich her und beginnt von neuem. Und jedesmal, wenn ihm ein par Schritte mehr gelingen als zuvor, kreischt es vor Triumphgefühl.
Und später, wenn das Kind größer ist, und bekommt eine Holzeisenbahn geschenkt, setzt es den Zug auf die Gleisen, bewegt diesen anfangs ziemlich schroff, sodass er aus den Gleisen gerät. Dann seufzt das Kind, hebt den Zug wieder auf und setzt ihn wieder sacht auf die Gleisen. Und jetzt fährt es ihn ein bisschen vorsichtiger. Immer wieder beginnt ein Kind von vorne: wenn es sich selbst bewegt oder etwas bewegen will. Normalerweise würde es nie ins Grübeln kommen:


"Das schaff ich eh nicht, alles umsonst, am besten höre ich auf. "
Weder sind die Gleise zu eng, noch die Beine zu schwach. Ein kleines Kind wagt es noch, über sich hinaus zu wachsen.
Für uns Erwachsene besteht die Gefahr, dass wir unser inneres Wachstum stillstehen lassen. Körperlich mögen wir aus-gewachsen sein; sind wir es aber auch von all unseren Fähigkeiten her? Und wie ist es mit unserem Glauben?
Lassen wir dieses Talent in uns verkümmern? Sind wir manchmal da wie ein trotziges Kind, das nach den ersten Lernerfahrungen sich sagt: "Nu is aber genuch!" ?


Ich verstehe ja, dass Viele in ihrem Glaubensleben von schlechten Erfahrungen frustriert worden sind; denen die Lust an der Sache vergällt worden ist ( von wem auch immer). Aber dann frage ich: was ist euch der Glaube wert? Wollt ihr diese Pflanze in euch vertrocknen lassen - oder gebt ihr ihr noch eine Chance?


Wenn mir mein Glaube etwas wert ist, dann werde ich mich auch für ihn einsetzen. Dann gebe ich meinem Glauben "neue Nahrung": ich lese und suche glaub-würdige Menschen auf. Dann versuche ich, meine Erfahrungen von Welt in einem neuen Zusammenhang zu sehen. Dann erkenne ich die Mitmenschen, die mit mir dieses Leben teilen, in einem anderen Licht. Dann sehe ich die Natur nicht einfach nur als gegeben; sondern sie ist mir Schöpfung, ein Geschenk Gottes an den Menschen. Und mein Denken wird Gebet.
Wenn ich mich darauf einlasse, dann wächst mein Glaube neu: dann lernt das Kind in mir wieder zu gehen.

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Kommunionjubiläum


Können Sie sich noch an Ihren Tag der Erstkommunion erinnern?
Ich meine nicht, was die Mutter gesagt hat, was der Pfarrer Ihnen gepredigt hat, oder wer alles daran teilgenommen hat. Sondern ich meine, welches Gefühl hattten Sie damals? Können sie sich noch daran entsinnen, was in ihrem Herzen los war?
Es mag bei den Einen so eine furchtsame Freude gewesen sein: Freude, weil man besonders im Mittelpunkt steht und Geschenke bekommt, wenn es auch zu manchen Zeiten kaum was gab. Furchtsam, weil du Angst hattest, einen Fehler zu machen.
Und doch mag bei Vielen der Stolz vorwiegend gewesen sein. Du bist Wer an diesem Tag. Gerade als Kind, der du immer ein bißchen in der Erwachsenenwelt untergehst, bist du an diesem Tag mal ein Großer.
Einmal auf dem Podest stehen.


So ein ähnliches Gefühl hast Du an besondern Tagen: am Tag deiner Hochzeit, ich hatte es am Tag meiner Primiz, Ordensleute haben es am Tag Ihrer Profeß, an einem runden Geburtstag, am Tag der Beförderung im Beruf, bei einem gelungenen Auftritt an Karneval oder bei einem sportlichen Sieg. Du fühlst dich dann immer großartig. Einmal ein Sieger, einmal ein König.


Gut – alles hat seine Grenzen. Das wußten schon die alten Römer. Wenn ein Feldherr nach seinem Sieg über die Feinde triumphal mit dem Pferdewagen in die Hauptstadt einzog, stand stets ein Sklave hinter seinem Rücken, hielt einen Lorbeerzweig über seinem Kopf und sagte von Zeit zu Zeit – Bedenke, dass du ein Sterblicher bist. ("Memento mori"). Im Moment des Triumphes, in der Stunde des Stolzes über den Sieg, mahnt da einer, dass man nicht überheblich wird, dasss man nur ein sterblicher Mensch ist, dass man sich dessen bewusst ist, dass das alles mal ein Ende haben wird – und das manchmal schneller, als einem lieb ist.


Und bei manchen wünscht man sich heute noch so einen Mahner – bedenke, dass du nur ein Mensch bist.
Aber eigentlich steht uns Christen solch ein Mahner schon zur Seite. Es ist Christus Jesus selbst, der wie ein Sklave hinter uns steht und eben beides tut. Einerseits ermahnt er uns immer wieder zur Selbstbescheidung, zur Bescheidenheit: Du bist Mensch und du bleibst Mensch. Andererseits aber ist es derjenige, der zu uns sagt: Friede sei mit dir. Du bist kostbar in meinen Augen; du bist wer. Er hält den Lorbeerkranz über jeden von uns. Die Krone, die uns bedeuten mag: wir sind Wer in den Augen Gottes. Wir mögen noch so sündig sein, noch so sehr seine unwürdigen Diener – wir sind immer auch seine gekrönten Sieger.


Wir sind Wer – und das nicht nur am Tag der Erstkommunion.

 

Ein befreundeter Pastor

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Röm 8, 34-39

Christus Jesus, der gestorben ist, mehr noch:
Der auferweckt worden ist, er sitzt zur Rechten Gottes
und tritt für uns ein.
Denn ich bin gewiss: Weder Tod noch Leben,
weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges
noch Zukünftiges noch Gewalten, weder Höhe
oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur
können uns scheiden von der Liebe Gottes,
die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.

 

 

Wir wünschen Ihnen allen
gesegnete und frohe Ostern,
die Freude, den Frieden und den
reichen Segen
unseres auferstandenen Herrn!

Zu Herzen gehen


Et nemo percipit corde.


Liebe Mitchristen, in der Renaissance wurde für die Passionszeit ein Chorsatz verfasst, der eben diese Worte aus dem Prophetenbuch Jeremia (Jer 12,8) erwähnt. Zu deutsch heißen sie etwa: und niemand nimmt es sich zu Herzen. Jesus stirbt am Kreuz und niemand nimmt es sich zu Herzen. Jesus macht seine letzte Stunde durch – und die Jünger, die ihn so lange begleitet haben glänzen durch Abwesenheit. Ja mehr noch, er wird verspottet und belacht, in dem Augenblick, da er stirbt. Niemand nimmt es sich zu Herzen, nur ganz wenige teilen seinen Schmerz am Kreuz. Sogar von seinem Gott fühlt er sich verlassen.


Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen.
Er macht die Hölle durch. Und zwar nicht nur dadurch, dass er höllische Schmerzen ertragen muss. Auch seelisch erfährt er, was Hölle ist. Hölle ist nämlich die Erfahrung, dass Gott nicht da ist.


Niemand nimmt es sich zu Herzen.
Auch heut zu tage passiert es. Wir feiern den Tod unseres Herrn, und so viele – gerade auch Christen – machen alles Mögliche; nur sie nehmen sich keine Zeit mehr für den, der am Kreuz stirbt.
Das muss doch die Hölle sein.
Stell dir vor, du leidest, und keiner ist da.
Stell dir vor, du musst Abschied vom Leben nehmen, und kein Lebender ist um dich.
Mitleid, so sagt man heute spöttisch, sei billig, heuchlerisch und unnötig.


Aber der Herr leidet mit allen Menschen. Er stirbt so für uns alle, um jedem Sterbenden nahe zu sein. Er nimmt es sich zu Herzen, wenn jemand in Todesnot gerät. Darüber kann ich nicht spotten.
Gottes Sohn macht den Tod durch – somit wird der Tod nicht mehr gottlos.
Wenigstens uns soll dieser Tod zu Herzen gehen. Denn er hilft uns bei unserem eigenem Tod.


Sein Tod bedeutet für uns Leben.

 

Ein befreundeter Priester - 2017

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Die Welt verändern


Vor etwa 15 Jahren sonntagsmorgens im Pfarrhaus. Nach der hl. Messe war ich am Kochen und hörte im Radio eine interessante Sendung. Es wurde ein Buch über den Klimawandel vorgestellt, und der Autor redete über die menschlichen Ursachen und die dramatischen Auswirkungen. Durch den vermehrten CO2-Ausstoss wird der Treibhauseffekt der Erde zunehmen; in der Folge schmelzen die Polkappen und somit ändert sich über Jahren hin das Wetter. Unwetter, Stürme, Überschwemmungen nehmen zu, andernorts Dürreperioden und Waldbrände. Gletscher verschwinden, Inseln werden überschwemmt, Wüsten wachsen. Somit werden immer mehr Anbauflächen vernichtet, Hungerkatastrophen sind vorprogrammiert. Und das alles aus menschlicher Schuld.
Von all dem war ich sehr betroffen. Dann rief jemand beim Sender an und fragte mit tränenerstickten Stimme: "Besteht noch Hoffnung auf (schluchz)...Weiße Weihnachten?"
......
Der Schrei, der anschließend durch das Pfarrhaus gellte, hatte nichts Menschliches mehr an sich. Ich war einfach nur fassungslos. Angesichts von Leid und Elend fragte doch tatsächlich jemand danach, wie sein sentimentales Festgefühl am Geburtsfest unseres Gottes gerettet werden kann.
"Heute schon die Welt verändert?" so fragt uns das diesjährige Plakat von Misereor, der kirchlichen Aktion gegen Hunger und Elend in der Welt.
Die Welt zum Besseren hin ändern tun wir, wenn wir das Wort Jesu ernst nehmen. Die erste Aufforderung, die Jesus nach dem Markusevangelium an uns richtet (vgl. Mk 1, 15), heißt:
"Kehrt um!". Das altgriechische Wort für "Umkehr" ist "Metanoia" und bedeutet so viel wie "Umdenken". Ich habe also als Christ meinen Denkschalter umzulegen: weg von einer gefühlsduseligen Schwärmerei zu einem verantwortlichen Denken. Weg von einem "Ich rette mich zuerst" oder "Mein Volk zuerst" hin zu einem "Zuerst die Welt retten".
Und wenn ich mein Denken umgestellt habe, dann mag ich mein Leben neu gestalten, verantwortungsvoll mit den Gaben der Schöpfung umgehen und denen Gutes tun, die mich brauchen.
Freilich muss ich auch auf mich und auf meine Angehörigen schauen. Ich muss mich auch um mich selbst kümmern.
Aber nie darf ich dabei die Menschen (und die Tiere!) außer Acht lassen, die mit mir dieses Leben teilen.
Es heißt "Vater Unser" und nicht "Vater meiner".

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Stop!

Ich würde Sie heute gerne um eines bitten: Dass Sie alles Bittere,
Geschmacklose, Abstoßende und Ungerechte, auf das Sie in
unserem öffentlichen Leben stoßen, nicht einfach als gegeben
akzeptieren - weil die Welt schlecht ist, immer schlecht sein wird
und es gar nicht anders sein kann. Ich bitte Sie im Gegenteil zu
versuchen, diese hässlichen Erscheinungen als Warnzeichen zu
verstehen, die uns alle zu neuem und tieferem Nachdenken über
den Sinn der uns gemeinsamen Dinge aufrufen.
Und noch eines meiner Gefühle muss ich zum Schluss erwähnen:
Ich bin mir mit jedem Tag gewiss, dass es überhaupt nicht schaden
würde, wenn wir etwas dafür täten, dass hie und da trotz allem
Wahrheit und Liebe über Lüge und Hass siegen.
 
Václav Havel (1936-2011)
aus "Vertrau auf dein Gefühl und lebe mutig"
(Topos plus, Kevelaer 2017)
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Unrein

Wir waren noch Kinder, da sind zwei unserer Nachbarjungs und ich eine Wette eingegangen: wer kann sich am schmutzigsten machen? (Für Kinder: bitte nicht nachmachen, Ihr und ich bekäme sonst Ärger...)


Der Eine fand eine Stelle am Ufer eines Baches und hat sich da schön gesuhlt. Der Andere und ich taten uns zusammen und fanden etwas, was viel genialer war. Die Straße vor unserem Haus war neu asphaltiert, und warmer Teer ist für ein Kind wirklich interesssant. Stolz trugen wir beide den Sieg davon. Wir waren begeistert; nur unsere Mütter nicht. Und das ließen sie uns deutlich spüren.
Wir werden zur Reinheit erzogen. So haben wir es nicht gerne, wenn sich einer sich dreckig macht oder den Schmutz ins Haus trägt. Nicht nur, dass Säubern eine lästige Arbeit ist; Schmutz und Unreinheit birgt auch immer die Gefahr von Krankheit mit sich. Große Epidemien in der Geschichte konnten sich nur aus Mangel an Hygiene ausbreiten. Im Ersten Weltkrieg sind viele Soldaten nicht durch Feindeinwirkung, sondern durch mangelnde Hygiene im schmutzigen Grabenkrieg umgekommen.


Schon im alten Judentum galt daher Unreinheit stets als eine Sphäre des Bösen und des Todes. Wer unrein war, durfte nicht am Gottesdienst teilnehmen. Daher lässt sich die Regel aus dem Alten Testament erklären, dass Priester darüber urteilten, dass ein Mensch rein oder unrein war. Dies ist auch der Hintergrund des Verhaltens von Priester und Levit im Gleichnis vom Barmherzigen Samariter (vgl. Lk 10, 30ff.). Die beiden Gottesdiener lassen den verwundeten Mann am Straßenrand links liegen. Sie tun das aber nicht einfach nur kalter Herzlosigkeit; vielmehr halten sie sich an die alten Reinheitsvorschriften. Wer blutet, galt als unrein; und damit durfte sich keiner beflecken, der im Tempel Dienst hatte. So verrückt das heute klingt: nach diesem Denken gilt der als gottgefällig, der sich nicht mit Unreinheit beschmutzt.
Solche Vorstellungen sind heute zwar meist überwunden: aber es bleibt, dass wir uns nicht gerne die Finger schmutzig machen. Viele machen lieber einen Bogen darum: Sich um kleine Kinder kümmern, Alte pflegen,Verletzte im Straßenverkehr versorgen, Menschen in armseligen Verhältnissen helfen.


Aber eben so handelt Jesus (vgl. Mk 1, 40-45). Er berührt den Aussätzigen, er will, dass der wieder rein wird. Der Herr lässt sich vom Schicksal des Kranken bewegen, und so durchbricht er ohne Angst vor Ansteckung die Sphäre des Bösen. Wir Christen haben ebenso die Angst vor dem Schmutz der Welt abzulegen und heilend den Menschen zu begegnen. Nicht, was von außen kommt, hat der Christ zu fürchten, sondern was aus seinem Inneren kommt (vgl. Mk 7, 15). So können wir das Bild von Papst Franziskus über Kirche als "Feldlazarett" verstehen: als Glaubender darf, nein: muss ich mir die Finger dreckig machen, wenn ich damit anderen helfe.
Die Liebe Gottes ist reiner als aller Schmutz der Welt.

 

Ein befreundeter Pastor

Alleh Hopp - und dann?

 

Wir sind mitten in der sogenannten 5. Jahreszeit. Vielerorts sind die Hinweise auf Kappensitzungen, Umzüge und Kinderkarneval durch Plakate und Banner sichtbar. Selbst in den Zeitungen und im Fernsehen hat die Fastnachtssaison ihren Platz mittlerweile eingenommen. Auch in meinem beruflichen Alltag komme ich um Fastnacht nicht herum. Sogar, wenn ich Termine ausmachen möchte, bekomme ich öfters die Antwort: „Am besten nach Fastnacht.“ Aber was ist nach Fastnacht?

 

Nach Fastnacht beginnt mit dem Aschermittwoch die vierzigtägige Fastenzeit.

Was gibt es nicht für tolle Vorschläge und Ideen, was man alles fasten kann.

 

Alkohol, Zigaretten, Süßigkeiten, sogar Autofasten gibt es. Jedes Jahr zu Beginn der Fastenzeit reden viele Menschen darüber, was sie dieses Mal fasten. Dabei sind die Gründe sehr unterschiedlich. Die einen wollen abnehmen und nehmen sogar ein intensives Heilfasten in Kauf. Andere merken, dass sie nicht nur an Fastnacht einen erhöhten Konsum haben und wollen zumindest in den 40 Tagen der Fastenzeit dem Einhalt gebieten. Die Liste ließe sich wahrscheinlich beliebig verlängern.

 

Ist das wirklich alles, was von der Fastenzeit bzw. der österlichen Bußzeit übrig geblieben ist?

 

Fasten bringt Klarheit. In dieser Zeit kommt man dem Eigentlichen wieder auf die Spur. Was ist wichtig, was ist verzichtbar und wofür lebe ich eigentlich? Die Fastenzeit vor Ostern ist eine Zeit des Neuwerdens, des Ausprobierens und Wandelns. Das ist nicht immer einfach. Am Ende überwiegt aber das Gefühl des „Neu Aufbrechens“ – wie neu geboren. Probieren sie es aus.

 

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen schöne, närrische Tage und einen guten Start in die Fastenzeit, in eine Zeit des Neuwerdens.

 

Thomas Kaspar, Gemeindereferent

 

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Ps. 111,2-3

Groß sind die Werke des Herrn,
erforschenswert für alle, die sich an ihnen freuen.
 
Hoheit und Pracht ist sein Walten,
seine Gerechtigkeit hat Bestand für immer.

Gesegnete Weihnachten und ein Gutes Neues Jahr!

Ehre sei Gott in der Höhe
und Friede auf Erden
den Menschen seines Wohlgefallens.
Lk 2,14
 
Gesegnete Weihnachten und ein Gutes Neues Jahr!
Christi Frieden im Großen wie im Kleinen!

Be-Achtung

Als Papst Johannes XXIII noch Bischof von Venedig war und noch nur Angelo Giuseppe Roncalli hieß, wurde bei ihm der Fall eines Pfarrers bekannt, der ein sehr liederliches Leben führte. Er ließ sich zu diesem Priester fahren; der war aber nicht im Pfarrhaus, sondern trieb sich in einer Kneipe herum. Während der Bischof auf ihn wartete, suchte sein Fahrer den Pastor auf und brachte ihn zurück ins Pfarrhaus. Dort habe der Bischof den Priester angeschaut und gesagt: „Mein Sohn, ich muss bei dir beichten“.


Nun wissen wir freilich nicht, was der spätere Papst bei diesem verkommenen Priester gebeichtet hat; aber es geht um die Haltung, mit der Bischof Roncalli ihm begegnet ist. Er hat ihn eben nicht einfach nur den Kopf gewaschen und Vorwürfe gemacht. Er hat ihn nicht als armen Sünder, sondern als Mitbruder behandelt. Damit hat er ihn ernst genommen und ihn an seiner priesterlichen Würde angesprochen. Ich muss bei dir beichten – an mir sollst du dein priesterliches Amt vollziehen. Deine priesterliche Aufgabe ist es, Menschen die Vergebung Gottes zu zusagen. Du hast als Priester diese wunderbare Gabe, also setze sie auch um.
Und noch was: Roncalli öffnet sich. Er beichtet. Er erschließt damit sein Innerstes, seine falschen Gedanken, seine sprachlichen Entgleisungen, seine Lieblosigkeiten im Umgang mit anderen Menschen. Er zeigt somit seine eigene Verletzlichkeit und Schwäche.
Ich weiß nicht, was nach dieser Anekdote aus dem Priester geworden ist. Aber ich kann mir vorstellen, dass es eine Sternstunde für ihn gewesen ist, eine Zeitenwende in seinem Leben. Und so eine Zeitenwende hörten wir auch im Evangelium (Lk 1, 26-38): in Marias Leben tritt ein Engel. Er trat bei ihr ein, heißt es. Er unterbricht damit ihren Alltag, ihren geplanten Tagesablauf, wirft bei ihr alles übereinander. Maria erschrickt, denn die Erscheinung eines Engels ist nicht niedlich. Vielmehr bricht da eine höhere Macht in ihr Leben ein, eine Macht, die sie nicht kontrollieren kann.


Aber der Himmel öffnet sich ihr mit einer Gabe, die zugleich Aufgabe ist. Das Leben eines Kindes wird ihr anvertraut – doch hat sie dieses Kind nicht einfach nur für sich. Sondern das Kind wird zur Gabe für die Welt. Sie muss ihren Sohn der Menschheit zurückgeben.
Was der Engel Maria verkündet hat ist mehr als nur die Nachricht, dass sie nun Mutter wird. Was in der eingangs erzählten Anekdote von Bischof Roncalli gesagt worden ist, ist mehr als bloße Menschenfreundlichkeit. Es geht um die Achtung eines Menschen. Es geht um die Beachtung seiner Talente, seiner Begabungen. Deine Gabe soll zur Aufgabe für die Welt werden.

 

Ein befreundeter Pastor

Ps. 8,3-4 u. 10

 

Seh ich deine Himmel, die Werke deiner Finger,

Mond und Sterne, die du befestigt.

 

Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst,

des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?

 

Herr, unser Herr,

wie gewaltig ist dein Name auf der ganzen Erde!

Carpe diem - nütze den Tag

 
Wissen Sie noch, was Sie am 23. September gemacht haben?

Ich kann mich noch gut erinnern. Ein alter Freund hatte Geburtstag, den ich leider nicht telefonisch erreicht habe. Dann habe ich eine Trauung gehalten und bin anschließend nach Hause gefahren, wo mein Bruder seinen 50. Geburtstag nach gefeiert hat. Es war ein wunderschöner Tag: die Sonne schien mild, ich spazierte durch das Dorf, in dem ich aufgewachsen war. Ich traf Kinder, die ich von den dortigen Messdienern kenne; begegnete alten Leuten, die mich noch als Kind kannten; alten Schulfreunden, die ich schon lange nicht mehr gesehen habe, fiel ich um den Hals. Und es tat gut, wieder im Kreis der Familie zu sein.
Der 23. September war ein außergewöhnlicher Tag. Auch deswegen, weil von ihm etwas ganz Besonderes im Vorfeld behauptet worden ist. Etliche erklärten - vor allem im Internet - an diesem Tag würde die große "Entrückung" statt finden. Jesus käme an diesem Tag wieder, würden die Menschen um sich sammeln, sie in die Ewigkeit bringen - und die Welt, wie wir sie kennen, fände ein Ende.
Nun ist das tatsächlich ein uralter Gedanke des christlichen Glaubens. Im apostolischen Glaubensbekenntnis heißt es: "Von dort wird es wiederkommen zu richten die Lebenden und die Toten". Und im vorletzten Satz der Bibel heißt es: "Komm Herr Jesus". (Offb 22,20)
Aber im Evangelium wird auch ganz klar gesagt: "Doch jenen Tag und jene Stunde kennt niemand" (Mk 13, 32). Und nachher: "Ihr wisst nicht, wann der Hausherr kommt". (Mk 13, 35). Wenn Jesus im Unklaren darüber lässt, wann er wieder kommt, dann hat das seinen Grund. Jeder Tag kann der Letzte sein. Darum sollen wir jeden Tag sinnnvoll gestalten und wie eine Goldmine nutzen.
Wenn du dich von einem Familienangehörigen verabschiedest, tu es herzlich;
wenn die Sonne mild dir scheint, genieße es;
wenn du einen Freund triffst, umarme ihn;
wenn du mit einem in Streit liegst, versöhne dich.
Ja, nütze jeden Tag, als sei es der Letzte: jeder Tag sei außergewöhnlich.

 

Ein befreundeter Priester

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Ich habe doch nix gemacht!

 
Jeder, der mit Kindern zu tun hat, kennt diesen Spruch zur Genüge. Da tobt irgendwo heftiger Streit, eine Vase geht lautstark zu Bruch, eine Regierungskoalition kommt nicht zustande - und: "Ich habe nichts gemacht, das waren die Anderen". Und der "Schwarze Peter" wird weitergereicht; Schuld sind immer die Anderen.


Nicht nur bei Kindern; auch bei Politikern, Kriminellen, oder bei wemauchimmer wird eigenes Fehlverhalten nicht eingestanden. Stets heißt es dann: Ich habe doch nichts Böses gemacht. Und oft höre ich das von Gläubigen: Ich habe niemanden getötet, ich habe nicht die Ehe gebrochen, ich habe nicht gestohlen. Sie hätten keine Sünde getan. Papst Franziskus hat aber neulich noch einmal auf den Gedanken der Unterlassungssünde hingewiesen. Wer das Gute nicht tut, der begeht auch eine Sünde. Nichts tun heißt sündigen.
Im Evangelium vom Weltgericht werden denn auch einige Fälle (Mt 25, 31 ff.) aufgezählt:
Hungernde speisen, Fremde aufnehmen, Nackte bekleiden, Kranke und Häftlinge besuchen.
Man könnte ergänzen: Beten, den Mund gegen Mobbing aufmachen oder statt zu fotografieren verunglückten Menschen am Straßenrand zu helfen.


In vielen Beziehungen ärgert das den Partner am meisten, wenn er (o.k., meistens ist es sie) keine Aufmerksamkeit mehr geschenkt bekommt. Dann ist die Partnerschaft so selbstverständlich geworden, dass sie erkaltet. Die Frau/der Mann fühlt sich nicht mehr geschätzt, nicht mehr als wertvoller Mensch. Der Andere kann sich herausreden, indem er sagt: Ich habe doch nichts gemacht. Aber gerade das Nichtstun, die mangelnde Aufmerksamkeit ist daran schuld, dass der Partner leidet und sich minderwertig vorkommt.


Nichtstun ist Sünde.


Ein Mann klagte mal Gott an: "Warum lässt du das Böse in der Welt zu? Was machst du gegen Hunger, Krieg und Armut?" Und Gott antwortete. "Dasselbe wollte ich Dich fragen: warum lässt DU da zu? Denn ich habe DICH gemacht, um gegen Hunger, Armut und Elend zu wirken."

 

Ein befreundeter Priester

Stärke

 

Alptraum Prüfung: Noch heute plagen mich zuweilen diese Träume. Ich bin nach längerer Zeit wieder in der Schule, und es stehen Prüfungen an, für die ich nicht vorbereitet bin. Und dann beschleicht mich wieder diese Angst von früher: Kann ich genug, habe ich genug gelernt?
Ich weiß auch von Anderen, dass sie diese Prüfungsangst alter Tage immer wieder heimsucht. Verstärkt wird diese Beklemmung für einen frommen Christen, wenn er im Neuen Testament Mt 25, 31 ff. liest. Auch da geht es um Prüfung, und zwar die letzte, die uns ansteht. Der Mensch steht vor dem Herrn und muss ihm Rechenschaft geben. Im großen Weltgericht werden wir gefragt, wann und wo wir für unsere Mitmenschen da waren. Mit diesem Bild, dass wir Rechenschaft geben müssen über unser Benehmen, ist denn auch Jahrhunderte lang den Christen Angst gemacht worden: Eigentlich ist das fatal. Es ist ja ein guter Gedanke,
dass ich Verantwortung für mein Handeln übernehme;
dass ich mein Verhalten dem Mitmenschen gegenüber bedenke;
dass nicht ich nicht nur an mich denke, sondern stets dem Nächsten begegnen soll.


Aber von dieser positiven Gewissensbildung bis hin zur quälenden Angst, ob ich dem Anspruch gerecht werde, ist es nur ein kleiner Schritt.
Es tut gut daran zu denken, dass vor dem Evangelium vom Weltgericht die Erzählung von den Talenten steht (Mt 25, 14 ff.). Auch hier steht der Herr vor dem Menschen und verlangt Rechenschaft: hier kommen nun aber ganz andere Fragen.
Jetzt wird der Mensch zuerst daran erinnert, dass er von seinem Herrn Talente bekommen hat. Ein Talent war in der Antike eine Zahlungseinheit; im Gleichnis meint Jesus aber damit eine Stärke, eine besondere Begabung. Erst seit diesem Evangelium meinen wir mit "Talent" immer "besondere Begabung". Und dieses Talent wurde uns von Gott geschenkt: zuerst steht also das Geschenk, dann erst die Verantwortung. Zuerst die Gabe, dann die Aufgabe.


Als ich noch vor 20 Jahren Einstellungsgespräche zu führen hatte, stellte ich diese Frage: "Wo liegen ihre Stärken? Was können Sie besonders gut?" Das sorgte zunächst für Verblüffung; dann aber zauberte sich ein Lächeln über den Kandidaten, die Kandidatin und erlöst erzählte sie/er. Aber jede Gabe ist eine Aufgabe. Wenn ich etwas mit Freude tue, weil ich es gut kann, dann mag ich es auch mit Freude umsetzen.


Und Sie? Was können Sie besonders gut? Mit welcher Gabe hat Sie der Herr beschenkt?
Wenn Sie gut zuhören können, sind Sie ein guter Seelenbegleiter für Mitmenschen, denn die Welt braucht "Ohren". Wenn Sie ein guter Handwerker sind, dann helfen Sie ihren Mitmenschen. Wenn Sie ein guter Sportler sind, dann zeigen Sie es auch; denn Viele erfreuen sich am Anblick sportlicher Leistung ( o.k., zugegeben: ich nicht. Aber die Menschen sind ja verschieden). U.s.w. Ihre Freude ist die Freude Anderer.
In New York wurde nun ein Bild von Leonardo da Vinci versteigert für sagenhafte 380 Millionen Euro (450 Millionen Dollar) verkauft. Das Bild zeigt den Erlöser der Welt: Jesus Christus. Den Erlöser Jesus kann jeder von uns umsonst haben!

 

Ein befreundeter Priester

Ps. 90,12

Unsere Tage zu zählen lehre uns!
Dann gewinnen wir ein weises Herz.

Christliche Liebe

Liebe: ein großes Wort. Und deswegen so oft missbraucht oder in den Schmutz gezogen. Es gibt eben leider nichts Positives, das nicht auch ins Negative umkippen kann. Liebe empfindet das Kind, das von aufmerksamen Eltern umgeben ist. Und es wird diese Liebe beantworten. Liebe empfinden zwei Menschen zueinander - seelisch und körperlich. Liebe gibt es in Familien, unter Freunden, unter Gleichgesinnten. Ich kann ein Tier lieben, meine Heimat, ein bestimmtes Urlaubsland.


Und ich kann Gott lieben, weil auch er mich liebt.
Nun gibt es Menschen, die vorbildlich sind in ihrem Glaubenseifer. Die für ein Gebetshaus alles tun. Die für ihre Glaubensgemeinschaft alles opfern würden, die stundenlang das Gebet pflegen, die regelmäßig zum Gottesdienst gehen, die sich ganz für ihren Gott verzehren – aber blind sind für ihre Mitmenschen, vor allem für die, die anders sind als sie selbst. Glaubensfanatiker – bei fast allen Religionen zu finden. So wie neulich in Moskau, wo christliche Fanatiker mit Brandanschlägen auf einen Film über ihren heiliggesprochenen, letzten Zaren reagiert haben. Muslim, die mit dem Ruf "Gott ist groß" sich in die Luft sprengen und dabei spielende Kinder mit in den Tod reißen; fromme Eltern, die ihre Töchter verstoßen, weil die zu früh ungewollt schwanger werden; Gläubige, die für ihr Gotteshaus über Leichen gehen u.s.w.
Sie lieben Gott, aber die Menschen sind ihnen egal.


Ich weiß von Menschen, die ganz aufgehen im Dienst an den Nächsten. Die dir freundlich begegnen, die sich aufopfern für Menschen in Not, die sich einsetzen für Hungernde in Afrika und Asien, die als Arzt oder Entwicklungshelfer in Lateinamerika für die Ärmsten da sind – aber Gott ist ihnen egal. Ja, sie machen Witze über Kirche und Glauben, sie machen sich lächerlich über unser Gebet, für Gottesdienste haben sie nur ein müdes Lächeln übrig.


Der Christ bekommt im Evangelium den Mittelweg gezeigt. Er muss das eine tun, ohne das andere zu lassen. Liebe zu Gott muss sich am Mitmenschen beweisen, sonst ist diese Liebe unmenschlich. Liebe zum Mitmenschen muss an Gott sich festmachen, sonst ist sie gottlos.
Wer nur Gott liebt, den Mitmenschen aber verachtet, der ist nicht fromm; der glaubt an ein Monstrum. Denn in Jesus Christus steht Gott auf der Seite der Menschen. Wer aber nur den Menschen liebt und Gott verachtet, dessen Liebe ist haltlos und ohne Orientierung.
Gott liebt den Menschen; und ich darf nichts verachten, was Gott liebt.
Wer Gott liebt, der muss auch den Menschen lieben. Gottesliebe und Nächstenliebe gehören zusammen.
Das Eine ist ohne das andere nicht zu haben.

 

Ein befreundeter Priester